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Mit mir durch dick & dünn

June 6, 2015

 

Manchmal wenn ich verreise und meinen 20kg schweren Koffer anschaue, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen das ich mal das doppelte an Gewicht in meinem Körper getragen habe! Heute scheue ich mich nicht die zarte, erstaunliche Frau die ich bin auch zu zeigen.

 

Als kleines Mädchen war ich dünn, sehr dünn.

 

So dünn das meine Eltern sich schon Sorgen machten. Doch dann, im Alter von ca. 9-10 Jahren bekam ich Übergewicht. Das kann mit dem Lehrer zusammenhängen, den ich damals erhielt und mit dem ich so gar nicht zurecht kam, oder auch mit den Bergen von Nutella, Cola und anderes Süßigkeiten die ich zu mir nahm, schon seit langem.

 

Mit 13 wechselte mein Klassenlehrer und ich stoppte das Cola trinken, wurde wieder dünner und entwickelte mich zu einer sexy jungen Frau. 

Auch wenn ich nun viel possitive Bestätigung von meiner Umwelt bekam, fehlte mir doch immer etwas zu meinem Glück. Immer fühlte ich mich nicht wirklich dazugehörig, nicht ganz verstanden und nicht wirklich verbunden.

 

Schon als kleines Mädchen hatte ich mich verloren gefühlt in der Welt. Mein Trotz und Kampfgeist täuschte über die tiefe Traurigkeit hinweg, die ich beherbergte. Ich traute den Menschen nicht. Fühlte mich unsicher. Passte mich entweder an oder rebellierte – aber wer und wo war ich?

 

Für eine Weile sah alles ganz gut aus, ich studierte Soziologie und Psychologie, war beliebt, machte Party, war aktiv in der Frauenbewegung und Studentenschaft. Aber dann, im Vordiplom an der Uni entwickelte ich eine Depression und Angststörung. Selbstzweifel plagten mich und ich verlor den Impuls zur Aktivität, schaute jeden Tag Fernsehen und trank Bier, zurückgezogen vom Leben ‚da draußen’. Ich hatte mich aufgegeben und fühlte mich verloren und gefangen.

 

Die Psychotherapie, auf die ich ein halbes Jahr gewartet hatte brachte wieder etwas in Bewegung und ich beschloss eine mehr praktische Ausbildung zu machen, aber im gleichen Bereich. So zog ich um und absolvierte eine Ganztags-Ausbildung in Tanz- und Ausdruckstherapie. Außerdem zog ich mit meinem damaligen Freund, späteren Ehemann zusammen.

 

Mein Leben wurde besser.

 

Essen war mir schon immer wichtig gewesen, wurde als eine Belohnung benutzt, etwas um mich besser zu fühlen. Zusammen mit meinem Partner zelebrierte ich ‚gutes Essen & Trinken’ in seiner Höchstform. Wir liebten es zu kochten und die ausgefallensten, reichhaltigsten Mahlzeiten zu entwickeln. Dazu ein ‚guter’ Biowein.... Aber auch mehr profane Gerichte, wie Pizza wurden zu besten Freunden, die da waren, wenn ich mich nicht so gut fühlte.

 

Noch während der Ausbildung zur Ausdruckstherapeutin, mit fünf Stunden Tanztraining dreimal pro Woche fing ich an wieder Gewicht zu zunehmen. Die Ausbildung näherte sich ihrem Ende und es ging darum wieder ‚hinaus in die Welt’ zu gehen.  Ich hatte das Gefühl mich schützen zu müssen vor den Menschen ‚da draußen’, wollte ihnen eigentlich nicht begegnen und wollte, ganz ehrlich gesagt auch nicht arbeiten gehen.

 

Auch wenn meine Art der Ernährung nicht die bekömmlichste oder leichteste war, sah ich doch, dass sie nicht der einzige Ursache für meine Gewichtszuname war. Deswegen habe ich auch nie wirklich Diäten in Erwähnung gezogen. Außerdem war Pizza doch ‚mein Freund & Helfer’ in der Not.... Ich entschloss mich also nicht zu kämpfen, was Diät halten für mich gewesen wäre, aber landete so bei dem Gegenspieler der gleichen Medaille: ich gab auf. Zurückgezogen in mir, mit einer ‚Pufferzone’ zwischen mir und meiner Umgebung benutzte ich mein Gewicht um mich vor Verletzungen zu schützen.

Nach einer allergischen Reaktion entwickelte ich zusätzlich ein starkes Asthma und musste jeden Tag mehrmals Cortison inhalieren.  Das hat mein Gewichtszunahme noch verstärkt und die Nebenwirkungen des Medikaments ließen mich fühlen als würde ich im Nebel warten. Alles um mich herum, mein Leben wurde mehr unwirklich....als würde ich träumen oder mich beobachten, wie ich eine Rolle spiele in dem Film der mein Leben ist.

 

Nachdem ich ein paar Jahre so existiert hatte, mein Gewicht über 100kg stieg und ich zweimal fast an einem Asthma-Anfall gestorben währe, suchte ich dringend nach Hilfe für eine Veränderung. Mein Bequemes Leben war sehr unbequem geworden.

 

Die vielen alternativen Heilmethoden die ich über die Jahre ausprobierte haben nicht wirklich gewirkt. Als 2004 mit Universal Medicine (UM) in Kontakt kam sprach mir das, was ich von Serge Benhayon, dem Begründer von UM hörte, aus der Seele. Etwas was ich aufgegeben hatte war hier aktiv, wurde ungeschützt vorgetragen und gelebt. Am Anfang verstand ich gar nicht alles, wegen meiner schlechten Englisch-Kenntnisse, aber mein Körper reagierte ganz eindeutig: es fühlte sich an wie nach Hause kommen. Ankommen. Und dabei lag noch ein großer Weg vor mir. Aber nun machte es für mich wieder Sinn auf dem Weg zu sein. Ich spürte eine Sicherheit, die mir Mut machte. 

 

Ich realisierte das ich meinen Selbstwert nie wirklich wahrgenommen, geschweige denn gelebt hatte. Mich wirklich wert zu schätzen, für mich und mein Wohlbefinden zu sorgen, die Verantwortung für mein Leben zu tragen war mir fremd. 

 

Also begann ich den Kontakt zu mir mehr zu pflegen, wahrzunehmen wie ich mich wirklich fühlte und musste feststellen, dass ich sehr viel Traurigkeit in meinem Körper festhielt (und ‚bewirtete’). Ich war nicht wirklich ehrlich mit mir gewesen und hatte viel dafür getan mich nicht zu spüren. Das änderte sich jetzt. Durch Universal Medicine hatte ich die ‚Gentle Breath Meditation’ kennen gelernt, eine einfache, ganz simple Atem-Meditation, die ich nun täglich anwendete. Dieses Ritual hat mich super unterstützt mich wieder mit mir zu verbinden, bzw. den Kontakt zu mir zu vertiefen.

 

Zuerst war ich noch darauf fokusiert mein Asthma loszuwerden, das Ausdruck einer tiefen Trauer in mir war.Verletzungen, die ich schon so lange mit mir rumtrug, hatten mich dazu gebracht mich zurückzuziehen und mein Herz zu verschließen. Ich kam über die Zeit wieder tiefer in Kontakt mit mir selber. Dadurch konnte ich mich mit meiner tiefen Traurigkeit auseinandersetzen und diese nach und nach heilen und mein Asthma wurde weniger. Es ging nicht mehr darum das Asthma los zu werden, sondern in mein Leben zu bringen, was ich so vermisst aber vernachlässigt hatte: mein Herz wieder zu öffnen und die Liebe zu fühlen die ich für mich und die Menschen um mich herum habe. Ich erarbeitete mir eine liebevolle Beziehung zu mir selbst und von hier aus veränderte ich auch meine Ernährungsweise.

 

Zuerst verbannte ich Gluten aus meiner Nahrung und hörte auf Alkohol zu trinken. Dadurch verlor ich so ca. 15kilos – was großartig war, aber damit auch verharrte. Nach einer Weile erkannte ich, das es nicht nur darum ging meine Ernährung um zu stellen, sondern viel mehr darum die alten Verhaltensweisen und Themen zu klären. Jedes mal wenn ich ein Thema geklärt hatte oder mich von emotionalem Reaktionen trennen konnte, nahm ich weiter ab. 

 

Je mehr ich mich selbst achtete, nahm auch meine Achtung für Andere zu. Je mehr ich mich in Beobachtung übte, Verstand ich Beweggründe und konnte mich von Bewertungen & Interpretationen frei machen.

 

Je mehr ich mich auf die Gefühle einließ, die ich hatte und mir Hilfe holte wenn ich welche brauchte, umso mehr konnte ich mich auf mich verlassen.

 

Je mehr ich mich selbst wertschätzte umso mehr Verantwortung übernahm ich für mich und mein Leben und die Puffer-Zone die ich um mich herum als Abstandhalter und Schutzschild errichtet hatte konnte weichen. Ich entdeckte meine sobald ich wieder ein Feld von innerer Stärke, Schönheit und Echtheit wieder

 

Heute wiege ich um die 62kilo und fühle mich großartig. Zurückblickend durfte ich erkennen, das ich Essen und trinken – wie so einiges Anderes auch – benutzt habe um mich zu betäuben, um nicht den Schmerz meiner unerledigten Angelegenheiten / Problematiken wahr zu nehmen.

 

Immer noch, entwickle ich eine wirklich gesund Beziehung zum Essen. Aber ich bin sehr viel verspielter mit dem Thema heutzutage – wenn ich jetzt bemerke, dass ich das Bedürfnis habe etwas zu essen, wonach mein Körper aber eigentlich nicht verlangt, erkenne ich das ich mich beschützen will oder das da etwas ist, was ich nicht fühlen möchte. Dann kann ich stoppen und sehen was es ist, das mich so herausfordert, ohne mich zu verurteilen oder hart mit mir zu werden.

 

Bevor ich meine Lebensweise veränderte habe ich jeden Abend ferngesehen oder gelesen, gegessen und getrunken, mich betäubt. Heute gehe ich früh zu Bett und nutze den Morgen um Körperübungen zu machen die mir Helfen in meine tiefe Stille und Präsenz zu kommen und engagiere mich in Netzwerken für Gesundheit und Wellbeing. Ich bestätige meine Verbindung zu mir selbst, statt sie zu unterbinden. Ich beginne nun meinen Tag ohne Angst vor dem was vor mir liegt und brauche somit auch keinen Panzer mehr zum Schutz.

 

Was sich am meisten für mich geändert hat ist gar nicht so sehr mein Aussehen sondern viel mehr die wunderbaren Beziehungen die ich nun habe. Zum einen natürlich die Beziehung zu meinem Partner und Ehemann, die sich so vertieft hat und freudvoller, leichter & verspielter geworden ist. Aber auch alle anderen Beziehungen sind näher, intimer geworden. Ich fühle mich lebendig und vital – habe eine menge Spaß, besonders mit Anderen.

 

Ich bin gesünder als noch vor ein paar Jahren, aber auch ruhiger, stiller. Ich nehme mehr Tiefe in mir war und die Verbindung zu meiner Göttlichkeit. Ich bin wieder ich jetzt und ich mag mich. Habe akzeptiert das ich es bin die die Entscheidungen trifft, die dazu führen in welchem Leben - und in welchem Körper - ich mich wieder finde und ausdrücke.

 

Ich habe nun mehrere Jobs und mehr als Vollzeit aktiv. Menschen zu treffen ist nun etwas Wunderbares – ich liebe es.

 

Jeden Morgen stehe ich früh auf um mich zu pflegen und mit aller Ruhe und Ausgeprägtheit auf meinen Tag vorzubereiten. Ich praktiziere jeden Morgen 30-45 Min. sanfte Körper-Übungen wo ich zum Abschluss meine Gelenke -angefangen mit den Knöcheln über die Knie bis hin zu den Schultern und Kiefergelenken- spüre. Ich mache das bis ich eine tiefe Stille und Präsenz in mir wahrnehme, bis ich vollkommen präsent in meinem Körper bin. Das ist der Start in meinen Tag – ein Marker zu dem ich mich wieder verbinden kann, sollte er mir verloren gehen. Ich sitze dann noch einen Moment mit mir und Vergegenwärtige mir auch noch mal den Vortag und die Entscheidungen die ich getroffen habe. Mein Körper reflektiert mir meine Entscheidungen ganz klar – und wenn ich hinhöre bekomme ich das auch mit und kann daraus lernen. Der Rhythmus den ich für mich entwickelt habe ist nährend und ehrend. Dies erlaubt mir einen vollen Tag – und: Freude daran zu haben.

 

Heute weiß ich,  dass ich es bin die tagtäglich die Entscheidungen trifft, die bestimmen wie mein Leben verläuft und in welchem Körper ich lebe und mich ausdrücke. 

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